Defizite am Bahnhof bleiben

Veröffentlicht am 02.11.2009 in Lokalpolitik

 

SPD-Ortsvereine lassen sich vom Nein nicht beirren

«Der Bahnhof in Parsberg weist große Defizite vor allem für Menschen mit Behinderungen auf und dass wollen wir uns auch in Zukunft nicht bieten lassen.» Das erklärten die Vertreter der SPD-Ortsvereine Parsberg und Darshofen bei einem Ortstermin.

 
Das Ehepaar Schön-Loos zeigt, wie schwer es, mit dem behinderten Sohn zum Bahnsteig zu gelangen.
Foto: nas
 

Die SPD-Stadträte Josef Hierl, Erwin Jung und Franz Rödl forderten von der Deutschen Bahn, dass der Bahnhof in Parsberg in einer Sofortmaßnahme wieder personell besetzt wird. «Es muss jemand vor Ort sein, der zum Beispiel Rollstuhlfahrern zu den Bahngleisen hilft», so Hierl, der einen behindertengerechten Aufzug für noch besser erachten würde. In ihrer Forderung sehen sich die Genossen auch unterstützt von Bürgermeister Josef Bauer (CSU).

Zur Vorgeschichte: Die SPD-Stadträte und Bürgermeister Josef Bauer hatten sich im März mit MdL Reinhold Strobl (SPD) getroffen. Es ging darum, wie man den Bahnhof behindertengerecht und familienfreundlich ausgestalten könnte. Der Bahnhof Parsberg sei von überregionaler Bedeutung, hieß es damals.

Strobl hatte daraufhin, zusammen mit anderen SPD-Abgeordneten, einen Antrag im Landtag eingereicht in dem die Staatsregierung aufgefordert wird, sich im Zusammenwirken mit der Bundesregierung dafür einzusetzen, dass Mittel für den barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe entlang der Strecke Nürnberg–Regensburg–Straubing–Passau zur Verfügung gestellt werden. Die Maßnahmen müssten in den vordringlichen Bedarfsplan aufgenommen werden.

Jetzt hat Strobl mitgeteilt, dass dieser Antrag im zuständigen Ausschuss mit den Stimmen der CSU und FDP abgelehnt worden sei. SPD, Freie Wähler und Bündnis 90/Grünen hätten zugestimmt. Ablehnungsgrund sei unter anderem gewesen, dass der barrierefreie Ausbau der Bahnhöfe nicht Gegenstand des Bundesverkehrswegeplans sei.

Josef Hierl erklärte, dass der Bahnhof täglich von mehr als 2000 Schülern und Berufspendlern genutzt werde und außerdem als Zubringer- und Verladestation für den Truppenübungsplatz Hohenfels diene. «Deswegen muss hier Personal her und der Bahnhof muss barrierefrei sein», so Hierl. «Man wird unter den Schülern und Pendlern kaum behinderte Menschen sehen, denn die können die Bahn ab Parsberg nicht nutzen.»

Nahezu unmöglich

Das erleben auch Herbert Schön und seine Ehefrau Hildegard Schön-Loos aus Herrnried so. Deren Sohn ist spastisch gelähmt und besucht in Parsberg die Grundschule. Gerne würde man ihn in einer Regensburger Schule unterbringen, aber das ist mit der Bahn nahezu unmöglich. Schon heute, wenn Hildegard Schön-Loos mit ihrem Sohn nach Regensburg oder Neumarkt zum Arzt muss, gibt es Probleme. «Es ist niemand von der Bahn da, der hilft, und so nehme ich den Moritz halt aus den Wagen und trage ihn», so Schön-Loos und weiter: «Aber Moritz wird immer schwerer und bald kann ich ihn nicht mehr tragen.» Ihr Mann legt nach: «Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass öffentliche Gebäude barrierefrei sein müssen, aber Bahn und Politik setzen die Gesetze nicht um.»

Elisabeth Mosandl ist im ambulanten Bereich bei der Regens-Wagner-Stiftung tätig. Mosandl könnte Stunden lang über die Probleme mit der Bahn und Zugbegleitern, die Rollstuhlfahrer nicht mitfahren lassen wollen, sprechen. «Wir versuchen, unseren Behinderten mit vielen Freizeitangeboten ihr Dasein erträglicher und schöner zu machen. Mit der Bahn geht das meist nicht.» Obwohl die Behinderten Ausweise für kostenlose Bahnfahrten hätten, müssten sie Busse nehmen und dafür bezahlen. «Rollstuhlfahrer in die Züge zu bringen, scheitert meist schon an den nicht geeigneten Bahnsteigen und oft auch an den Zugbegleitern».

Josef Hierl erklärte, dass es zwar theoretisch die Möglichkeit gebe, die Mobilitätsservicezentrale der Bahn anzurufen und Bahnmitarbeiter anzufordern. Diese Möglichkeit sei aber nicht realitätsbezogen und bei einer spontanen Fahrt kaum hilfreich.

Auszug aus dem Bericht der Neumarkter Nachrichten vom 31.10.2009

 

Homepage SPD Parsberg / Darshofen